„Alles nur Gesellschaftsspielchen?“

Ein Podiumsabend zur Beziehung von Fußball und gesellschaftlichem Engagement – das erwartete die rund 80 Gäste, die sich am 13. April 2016 anlässlich des 7. Runden Tischs Lernort Stadion im Nürnbergerecksteineinfanden. Eingeladen hatte der „Lernort Stadion e.V.“ als Dachverband aller zwölf Projektstandorte von „Lernort Stadion“. Lokale Gastgeber des Abends waren der Nürnberger Projektstandort von Lernort Stadion, das „Kopfball Lernzentrummit seinem Träger Fanprojekt Nürnberg und seinem Kooperationspartner 1. FC Nürnberg.

Karl-Friedrich Hohl

Foto: Karl-Friedrich Hohl

Dass es an diesem Abend um Fußball gehen würde, ahnten die Gäste spätestens, als sie den Veranstaltungsraum betraten: Tornetz, Eckfahne, Bälle und die mit Kunstrasen dekorierte Bühne wiesen eindeutig darauf hin. Dass Fußball aber Anstoß für mehr sein kann, zeigte das Programm des Abends. Andreas König, Leiter des Nürnberger Lernzentrums, stellte den Gästen vor, wie mit Jugendlichen im Stadion zu Themen wie Rechtsextremismus, Menschenrechte, Medienkompetenz und Berufsorientierung gearbeitet wird. „Wir nutzen den Fußball und das Stadion  als Türöffner, um mit jungen Menschen in Diskussion zu kommen.“ Mit großem Erfolg: Die Jugendlichen sind begeistert und die kostenlosen Angebote weitgehend ausgebucht.

Auch Projektpate Raphael Schäfer , Torwart des 1. FC Nürnberg, war ins „eckstein“ gekommen und zeigte sich vom „Kopfball Lernzentrum“ überzeugt: „Ich bin schon seit 2012 als Pate dabei, die Idee hat mir von Anfang an gefallen.“ Zuletzt besuchte er den Workshop „Jugend im Netz“, der Jugendlichen einen verantwortungsvollen Umgang mit Medien vermitteln will: „Meine Tochter hat gerade ihr erstes Handy bekommen“, erzählte er. „Da erlebe ich das ganze Thema hautnah.“  

Wie der Fußball nicht nur die Vorbildrolle seiner Spieler einsetzen, sondern „den Puls einer Stadtgesellschaft kräftiger schlagen lassen und gesellschaftlich verantwortlich agieren“ kann,  treibt den Journalisten Ronny Blaschke um. In Nürnberg gab er erste Einblicke in sein im Herbst erscheinendes Buch „Gesellschaftsspielchen“, für das er Persönlichkeiten rund um den Fußball interviewt hatte. „Wenn ein Kulturwandel im Verein erfolgen soll, muss CSR Chefsache sein“, betonte Blaschke und lobte, dass mit Dr. Thomas Grethlein der Aufsichtsratsvorsitzende des 1. FC Nürnberg persönlich vor Ort war. Dieser hatte gleich in seinem Grußwort die zunehmende Bedeutung von CSR auch für den Fußball dargelegt.

Die Veränderungsbereitschaft im eigenen Haus sah Katharina Wildermuth als wichtige Voraussetzung für ihr Wirken an. Die CSR-Managerin des 1. FCN erläuterte, was sich der Club zu den Themen nachhaltiger Umgang mit Personal und Spielern, Umweltauswirkungen des eigenen Geschäftsbetriebs, Beschaffungskette und gemeinnütziges Engagement in der Region vorgenommen hat. „Wir haben CSR für uns als ‚gesellschaftliche Verantwortung‘ übersetzt“, so Wildermuth. Das heißt auch:  „CSR ist nicht die Kirsche auf der Torte, sondern muss im Idealfall in alle Geschäftsbereiche wirken. Dabei wollen wir auch unsere Fans einbinden.“

Die verbindende Kraft des Fußballs hielt Sozialdezernent Reiner Prölß für zentral: „Fußball kann zu einer solidarischen Stadtgesellschaft beitragen. Das ist in Zeiten immer stärkerer sozialer Unterschiede von großer Bedeutung.“ Dr. Christian Keller, Geschäftsführer des SSV Jahn Regensburg,  machte zudem deutlich, dass Engagement auch eine Frage der Haltung ist. „Auch mit wenig Geld kann viel bewegt werden.“ Was der Fußball in jedem Fall bietet, ist Reichweite. „Wir können über den Fußball Themenplatzieren, die sonst weniger Aufmerksamkeit bekommen – wie das Thema Inklusion“, so Thomas Stephany von der Aktion Mensch, die sich auch für Lernort Stadion engagiert. 

Im Anschluss an die Veranstaltung waren alle Gäste eingeladen, den Abend fußballkulturell ausklingen zu lassen. Die Deutsche Akademie für Fußballkultur präsentierte eine kurzweilige Lesung  des Berliner Autors Imran Ayata aus seinem Buch „Ruhm und Ruin“.  

Text: Bastian Zimmermann, Bundesliga-Stiftung